Der Wisent, bison bonasus, der noch vor etwa 2000 Jahren in Europa in vielen großen Waldkomplexen beheimatet war, blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Nachdem er, durch eine rücksichtslose Bejagung nahezu ausgerottet war, setzten intensive Rettungsbemühungen ein.

In der Geschichte der Wisentzucht kommt Polen eine große Bedeutung zu.  Die Erhaltung der Wisente im Bialowieza-Urwald verdanken wir nicht nur den dort vorhandenen ungewöhnlichen Naturwerten, dem Reichtum und der Vielfachheit der Waldgebiete, sondern vor allem dem, daß die polnischen Könige sie sorgsam betreuten. Sie siedelten hier sogenannte Wächter an, welche den Urwald beaufsichtigten. Eine wahrhafte Katastrophe für den Wisent war der erste Weltkrieg. Trotz der Befehle, die Wisente zu verschonen kamen sehr viele infolge der Kriegshandlungen und Wilddieberei ums Leben. Unvermeidlich näherte sich das Ende der natürlichen Herden der Tieflandwisente auf der Welt.

Nachstehend einige Angaben aus dieser Statistik:

Jahr

Bestand

Jahr

Bestand

Jahr

Bestand

1832

770

1869

541

1914

737

1836

858

1874

536

1915

770

1841

946

1879

571

1916

150

1846

1095

1885

384

1918

200

1851

1642

1890

391

1919

20

1857

1898

1899

700

1920

5

1862

1251

1911

600

1921

0

Die Geschichte der Wisente im Bialowieza Urwald endet jedoch nicht mit diesem Datum. Seit 1929 durchziehen Wisente erneut die Urwaldgebiete. Anfangs lebten sie in Zuchtstellen, seit 1952 im ganzen Urwald.

Im Jahre1957 wurde auf Bitten der polnischen Regierung, sie bei der Arterhaltung der Wisente zu unterstützen, das Reservat Damerower Werder errichtet.

Zum Start zur Wisentzucht auf dem Werder machte das Land Polen der damaligen DDR zwei Wisente zum Geschenk.

Es handelte sich um den sechsjährigen Wisentstier Pumik und die vierjährige Wisentkuh Puella, die bereits im Jahre 1958 das erste Wisentkalb Dagmar als Nachkomme hatten und 1959 das Wisentkalb Dame.

Alle auf dem Damerower Werder geborenen Wisente tragen einen Namen mit den Abfangsbuchstaben "Da", was weltweit sofort Hinweis auf Ihre Herkunft gibt.

Der bisher stärkste Wisentstier war Puginal, der ein Gewicht von 1150 Kg auf die Waage brachte und eine Körperhöhe von 215 cm hatte. Er zeugte 44 Nachkommen.

Die Stammutter, Puella, gebar immerhin elf Kälber und war 18 Jahre alt, als sie ihr letztes Kalb warf. Ihre Tochter Dame brachte neun Kälber zur Welt.

Wisentkuh Damona

im hinteren Gehege

Im Jahresdurchschitt werden etwa 10 Kälber geboren.

Im August des Jahres 2001 kam das zweihunderste Kalb im Damerower Werder zur Welt.

Das Zuchtziel besteht in erster Linie in folgenden Punkten:

  • Erhaltung eines Genpools für Wisente
  • Hege einer freilebenden Wisentherde
  • Vermehrungszucht
  • Untersuchungsobjekt für Wissenschaftler
  • Entwicklung und Erhaltung eines natürlichen Biotops
  • Öffentlichkeitarbeit

In folgenden Gebieten war die Art durch gnadenlose Bejagung und Kriege bereits ausgestorben:

  • 4. Jh in Spanien
  • 6. Jh in Frankreich
  • 1350 in Pommern
  • 1755 in Ostpreußen
  • 1762 in Sachsen
  • 1762 in Ungarn
  • 1921 in Polen
  • 1926 im Kaukasus

Die Tiere waren an diesen orten in freier Wildbahn völlig ausgerottet.

1923 wurde die internationale Gesellschaft zur Rettung der Wisente  auf Betreiben von Dr.Kurt Priemel, dem Direktor des Frankfurter Zoo, gegründet.

Auf dem Damerower Werder führten die naturnahe Haltung, die reichliche und vielseitige Äsung sowie die umfassende Betreuung dazu, dass die Vermehrungsrate verhältnismäßig hoch ist und die meisten Geburten in den Monaten Mai/Juni erfolgen. Die meißten Kühe werfen im Alter von drei Jahren bereits ihr erstes Kalb. Die Fruchtbarkeit erlischt etwa zwischen dem 17. und 20. Lebensjahr.

1984 kam es zu einer Zwillingsgeburt, die bei Wisenten recht selten ist. Man rechnet bei etwa eintausend Trächtigkeiten  mit dem Vorkommen einer Zwillingsschwangerschaft.

 Die Wisente im Damerower Werder sind in drei Zuchtgruppen mit je einem Zuchtstier aufgeteilt, um eine gezielte, genorientierte Zucht erreichen zu können (Vermeidung von Inzucht).

linkes Schaugehege

4,0 ha mit 5 erwachsenen Tieren

rechtes Schaugehege

2,5 ha mit 3 erwachsenen Tieren

frei lebende Herde im hinteren Teil

287 ha mit ca 15 erwachsenen Tieren

Kuh mit Kalb im rechten Schaugatter

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